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Straßenkinderprojekt „COMVIVA“ in Caruaru/Brasilien:

Caruaru ist eine Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern im Nordosten Brasilien. Das ist jedenfalls die offizielle Zahl, denn die meisten der ärmeren Bevölkerung besitzt keine Geburtsurkunde und existiert damit eigentlich gar nicht.

Mit diesem Teil der Bevölkerung bzw. mit den Hauptleidtragenden, nämlich den Kindern und Jugendlichen, habe ich ein Jahr lang in diesem Projekt gearbeitet. Im Folgenden will ich das Projekt ganz kurz vorstellen:

Es besteht aus drei Häusern mit verschiedenen Schwerpunkten.

 
Casa da Rua – Haus der Straße :

Das „Haus der Straße“ stellt die Arbeit mit den Straßenkindern dar. Mitten im Stadtzentrum bietet das Casa da Rua eine Anlaufstelle für alle Kinder und Jugendlichen, die zumindest zeitweise auf der Straße leben. Diese können dort duschen und essen und sich an den täglichen Angeboten beteiligen – Bedingung ist neuerdings, dass die Kinder die Schule besuchen müssen, um ins Casa da Rua kommen zu können. Ebenfalls werden hier Aktionen direkt auf der Straße angeboten.

Das Jahr begann im „Casa da Rua“ mit einem traurigen Ereignis: der Ermordung eines Jungen, der zwar nicht in Drogengeschäfte verwickelt war, aber trotzdem ermordet wurde. Seine jüngere Schwester kommt weiterhin ins „Casa da Rua“ und geht auch wieder regelmäßig in die Schule. Zurzeit werden hier 50 Jungen und Mädchen betreut. Die Arbeit auf der Straße und die Besuche bei den Kindern zu Hause gehen auch wie gehabt weiter. All das muss mit 3 ErzieherInnen und 2 PraktikantInnen geleistet werden.

Weiterhin wird Flötenunterricht angeboten, der zurzeit von 4 Kindern intensiv genutzt wird. Eines unserer Kinder wird demnächst sogar in die Landeshauptstadt Recife reisen, um dort mit einer Gruppe ein Konzert zu geben.

Wöchentlich trifft sich die Marketing-AG im „Casa da Rua“, die bereits den Altkleidermarkt geplant und durchgeführt hat. Ein interessantes Programm ist für 2008 geplant.

In naher Zukunft steht auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an, die im Konflikt mit dem Gesetz stehen.

 
Cedro – Haus der Gemeinschaft:

Das Haus „Cedro“ ist der Zusammenschluss aus dem ehemaligen Cedro und dem NIP, dem Berufsorientierenden und -initiierenden Teil des Projekts. Hierhin kommen Kinder zwischen 10 und 17 Jahren, die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben und oft schon Kontakt mit Drogen, Kriminalität oder Prostitution hatten.

Hier im Cedro gab es zum Jahresanfang einige Veränderungen. So wird im neuen Jahr wieder der Schwerpunkt auf die Haltung von Tieren gelegt, wobei die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. In diesem Sinne wurden zusätzlich noch ein Ziegenbock und drei Ziegen, sowie zwei neue Schweine angeschafft. Ganz neu sind die Hühner auf unserm Gelände. Mit 36 Küken sind wir in die Hühner-Haltung eingestiegen. Die Kinder und Jugendlichen zeigen sehr viel Freude daran die Hühner, Schweine und Ziegen zu versorgen. Auch der Gemüsegarten erblüht in voller Pracht. Das sieht nicht nur schön aus, sondern gibt uns auch die Möglichkeit den Kindern und Jugendlichen ein gesünderes Essen anzubieten.

Glücklicherweise konnten wir einen neuen Computerkurs einrichten, genannt „Telecentro“, der nun auch für Bewohner des anliegenden Wohnbezirks offen ist. Ebenfalls neu sind ein Tanzkurs, der in regionale Tänze einführt, und ein Stick- und Malkurs. Beides konnte durch ehrenamtliche Arbeit ermöglicht werden.

Die Bäckerkurse werden öfter angeboten, damit die Kinder und Jugendlichen intensiver lernen und auch die Theorie verinnerlichen können, was ihnen eine besser Ausbildung und dadurch auch mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt bringt.

 
Sol Poente – ehem. Kindertagesstätte:

Die eigentliche Kindertagesstätte wurde geschlossen. Nun kommen ungefähr einhundert Kinder, die in Favelas leben, zwischen 6 und 12 Jahre alt sind und in die Schule gehen, in das Projekt „Sol Poente“.

Auch hier in „Sol Poente“ hat sich einiges geändert. Wie oben erwähnt sind die Bauarbeiten in vollem Gange: Die ehemalige Kindertagesstätte wird fast komplett umgebaut, so dass die Kinder wieder mehr Platz zum spielen und bessere Gruppenräume haben. Begonnen hat das Jahr mit den Besuchen bei den Kindern zu Hause und in der Schule.

Wie gehabt liegt ein Augenmerk dieses Teils des Projekts auf der schulischen Fortbildung der Kinder, die Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe mit einschließt. Auch der „Politikunterricht“ genannt „Cidadania“, in dem die Kinder über ihre Rechte informiert werden und gemeinsam die politischen Hintergründe entdecken, wird fortgeführt. Dazu gehören natürlich auch die „Leseübungen“, die den Kindern ermöglichen sollen über die Schrift einen kritischen Zugang zur Welt und zu ihrem Leben zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf kreativen, musikalischen Workshops, wie z.B. Flöte- und Percussionunterricht, Tanz- und Bastelunterricht. Durch diese Workshops merken die Kinder, dass jeder von ihnen die eine Sache besser kann und eine andere schlechter. Das schafft Selbstvertrauen und ermutigt die Kinder ihre Talente auszuleben.

All das ist sehr wichtig für die Kinder, weil sie alle aus armen Familien kommen, in denen Gewalt und Missbrauch etwas Normales sind. Viele dieser Kinder haben zu Hause nichts zu essen und ihre einzige Mahlzeit ist die im Projekt. Sie haben keine Perspektive und wissen das auch und die Gesellschaft erkennt nicht, welche Talente in diesen Kindern schlummern. COMVIVA bietet den Kindern eine neue Art zu leben; eine, in der Dialog groß geschrieben wird.

 
Ergebnisse der neuesten Evaluierung:

COMVIVA betreut zurzeit 250 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren; einen Großteil davon direkt, d.h. in den Häusern, und teilweise indirekt, d.h. auf der Straße. Diese Kinder und Jugendlichen kommen alle aus Favelas, also sehr armen Vierteln und leben in „Häusern“, die oft keinen Strom oder Wasser haben. Viele wurden von ihren leiblichen Eltern bzw. ihrem leiblichen Vater verlassen und von den Großeltern oder der alleinerziehenden Mutter aufgezogen.

Die Bezugspersonen der Kinder arbeiten teilweise in anderen Häusern als Putzfrau, als Straßenkehrer oder ähnliches, was maximal einen Mindestlohn einbringt. Wir haben aber auch Familien, die nur von dem leben, was sie erbettelt haben. Im Durchschnitt müssen so oder so 6 bis 10 Personen davon ernährt werden. Viele unserer Kinder klauen deshalb oder putzen Schuhe; einige prostituieren sich aber auch.

Alle Kinder und Jugendlichen kommen in Berührung mit dem Drogenhandel, weil meist irgendein Familienangehöriger Drogen nimmt, verkauft oder deshalb im Gefängnis sitzt. Häusliche Gewalt gehört in diesen Familien oft zur Tagesordnung. Weil auch Kinder, die auf der Straße leben betreut werden, kommt COMVIVA auch in den Kontakt mit Kinderprostitution und sexueller Ausbeutung.

Zu Hause herrschen oft katastrophale hygienische Verhältnisse und die Kinder sind gezwungen auf dem Boden zu schlafen; oft ohne Matratze oder ähnliches. Ihr gesundheitlicher Zustand ist oft miserabel, was nicht zuletzt an den Zähnen sichtbar wird, weil die Kinder sich nicht regelmäßig die Zähne putzen (können).

Ein Großteil dieser Kinder, davon viele noch unter 10 Jahren, konsumiert Alkohol und raucht Zigaretten, einige rauchen auch Marihuana oder schnüffeln Kleber.

   

Wer mehr über das Projekt wissen will, kann sich über das Gästebuch an mich wenden oder es auch direkt mit Spenden unterstützen:

Spendenkonten:

Aktion Silbermoeve ; Verwendungszweck: Comviva;

LIGA-Bank, Filiale Speyer ;

BLZ: 75090300; Kontonr.: 36340

Oder:

Kath. Kirchenstiftung Bad Bergzabern;

Sonderkonto Brasilienhilfe; Sparkasse SUW in Landau;

BLZ: 54850010; Kontonr.: 135208759


Die Mitarbeiter, aber vor allem die Kinder und Jugendlichen von COMVIVA, bedanken sich aus tiefstem Herzen bei allen, die das Projekt am vergangenen Hoffest kräftig unterstützt haben und bei allen, die sich auch weiterhin für eine bessere Situation dieser Kinder einsetzten werden.

 

Vielen Dank!

Louisa Lilian Gortner

Hoffest e.V. hilft Helfen | Info@HoffesteV.de